Johann Pibert

Autorenschaft:

Johann Pibert / Anna Luise Kiss

19.04.2021

Schauspielerin

geboren am 4. Dezember 1898 in Hamburg

gestorben am 20. August 1995 in Berlin

Foto von Maly Delschaft

Foto: Alexander Binder (vor 1929)

Maly Delschaft (1898–1995) war eine passionierte Wiederholungstäterin. In Danton (1921, Regie: Dimitri Buchowetzki) stand sie zum ersten Mal mit Emil Jannings vor der Kamera. [1] Im Zuge der folgenden Zusammenarbeit zeigte sie eine große Wandelbarkeit, als sie 1924 in Der letzte Mann (Regie: Friedrich W. Murnau) zunächst als Jannings’ jugendliche Nichte auftrat und nur ein Jahr später als seine bereits vom Leben gebeutelte und betrogene Ehefrau besetzt werden konnte. Der endgültige Durchbruch gelang Delschaft mit Kreuzzug des Weibes (1926, Regie: Martin Berger). Sie verkörpert darin eine Lehrerin, die durch eine Vergewaltigung ungewollt schwanger wird und einen illegalen Abbruch vornehmen lässt. Ein hochpolitischer Film, der offen den Abtreibungsparagrafen 218 anklagte. [2] In einer Kritik wurde hervorgehoben, dass Maly Delschaft „unter Verzicht auf elegante Toiletten und das sogenannte ‚schöne Gesicht‘“ Frauen darstellt, „wie sie das Leben schafft“ [3]. Beim Film-Kurier war man sich sicher, dass die Zuschauer*innen „ihr verständnisloses Dahindämmern nach der Entehrung“ nie vergessen werden. [4] Dieser Erfolg hätte sich wiederholen können: Emil Jannings wollte sie nochmals an seiner Seite haben, doch als er Maly Delschaft die Rolle der Lola Lola in Der Blaue Engel (1930, Regie: Josef von Sternberg) anbieten wollte, war sie nicht zu erreichen. Endlich wieder zu Hause, hatte eine andere Frau – Marlene Dietrich – beim Vorsprechen überzeugt. [5]

Eine weitere schauspielerische Blütezeit war Delschaft dennoch beschieden. Bei der DEFA und im DDR-Fernsehen wurde sie erneut zu einer vielbeschäftigten Charakterschauspielerin. Nach dem Bau der Mauer war für die West-Berlinerin der Weg zu anspruchsvollen Rollen jedoch im wahrsten Sinne des Wortes versperrt, weshalb sie sich nach einem erfüllten Berufsleben schlicht zur Ruhe setzte. [6]

Maly Delschaft als Claudia Galotti

Maly Delschaft als Claudia Galotti in Martin Hellbergs Verfilmung Emilia Galotti (1958).

© DEFA-Stigung / Waltraut Pathenheimer

Anmerkungen:

[1]

Vgl. anonym: Maly Delschaft – Schauspielerin, in: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, http://www.cinegraph.de/lexikon/Delschaft_Maly/biografie.html.

[2]

Vgl. Cornelie Usborne: Cultures of Abortion in Weimar Germany, New York 2007, 31–34.

[3]

Film-Kurier, 05.07.1927, zit. n. anonym: Maly Delschaft – Schauspielerin, in: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, http://www.cinegraph.de/lexikon/Delschaft_Maly/biografie.html.

[4]

Ebd.

[5]

Vgl. ebd.

[6]

Vgl. Frank-Burkhard Habel: Maly Delschaft. Nachruf, in: Film und Fernsehen, Nr. 6, 1995, 59.

Text von Johann Pibert und Anna Luise Kiss aus der Ausstellung „Das filmische Geschichte der Stadt Potsdam“ (https://cinematic-city.projekte-filmuni.de). Mit freundlicher Genehmigung der Projektleitung des BMBF-Drittmittelprojektes „Das filmische Gesicht der Städte“.