Johann Pibert

Autor:

Johann Pibert

19.04.2021

Schauspielerin

geboren am 11. August 1897 in Berlin

gestorben am 5. Mai 1986 in Berlin

Foto vonm Käthe Haack

Foto: Abraham Pisarek (1947) / Deutsche Fotothek

Den Hauptgewinn in einem Wettbewerb um die längste Filmkarriere hätte sie zwar verfehlt, aber die 70 Jahre, die Käthe Haack (1897–1986) vor der Kamera verbrachte, sind zweifelsohne bewundernswert. Nach ihrem Kinodebüt „als blondes Dummchen“ [1] in Der Katzensteg (1915, Regie: Max Mack) spielte sie in rund 250 Filmen mit, wobei sie in den letzten 30 Jahren ihrer Karriere vorwiegend im Fernsehen zu sehen war. [2] Im Laufe der Zeit avancierte sie zu einer „nicht zu ersetzende[n] Charakterdarstellerin profilierter Nebenrollen“ [3]. Dabei war sie äußerst wandlungsfähig. Nach etwa 75 Stummfilmen meisterte sie Anfang der 1930er Jahre mit Leichtigkeit den Übergang zum Tonfilm und verband damit einen Imagewechsel vom „fröhlich-naive[n] Mädchen“ [4] zur „reiferen Frau“. [5]

Beim Schritt ins Fernsehen Mitte der 1950er Jahre vollzog sie einen Rollenwandel zur „freundlichen (zuweilen schrulligen) älteren Dame aus besseren Kreisen“ [6]. Käthe Haacks Spezialität war „das Mütterliche in jeder Gestalt“ [7]. In der Liebeskomödie Seinerzeit zu meiner Zeit (1944, Regie: Boleslaw Barlog) verkörperte sie eine verständnisvolle Mutter, die ihre Tochter – angeblich mit einer Freundin unterwegs – bei einem Date ertappt und ihr die Lüge ohne Vorwürfe vergibt. [8] Die Tochterfigur wurde dabei von Haacks tatsächlicher Tochter dargestellt. [9] 

Starporträt der Schauspielerin Käthe Haack

Starporträt der Schauspielerin Käthe Haack © Deutsche Kinemathek

Gegen Ende des nationalsozialistischen Regimes entstanden, war Seinerzeit zu meiner Zeit nicht der einzige NS-Unterhaltungsfilm, an dem Käthe Haack mitwirkte. Ihre Karriere blieb davon unbeeinflusst. In einem US-Geheimreport über in Deutschland verbliebenen Künstler*innen wird ihr Mann als Nazi geführt, [10] sie selbst aber soll „sich in der Nazizeit nach verschiedenen Aussagen besonders anständig und treu zu alten Freunden benommen haben“ [11].

Anmerkungen

[1]

Friedemann Beyer: Die Gesichter der UFA. Starporträts einer Epoche, München 1992, 50.

[2]

Siehe Filmografie in anonym: Käthe Haack, in: IMDb, https://www.imdb.com/name/nm0351734/.

[3]

Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz: Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars, Berlin 2000, 137.

[4]

Beyer: Die Gesichter der UFA, 50.

[6]

Beyer: Die Gesichter der UFA, 50.

[7]

Heinzlmeier u. a.: Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars, 137.

[8]

Vgl. anonym: Seinerzeit zu meiner Zeit, in: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung,
https://www.murnau-stiftung.de/filmtheater/kinoprogramm/seinerzeit-zu-meiner-zeit.

[9]

Vgl. ebd.

[10]

Siehe Carl Zuckmayer: Geheimreport, Göttingen 2002, 94–95.

[11]

Ebd., 94.

Text von Johann Pibert aus der Ausstellung „Das filmische Geschichte der Stadt Potsdam“ (https://cinematic-city.projekte-filmuni.de). Mit freundlicher Genehmigung der Projektleitung des BMBF-Drittmittelprojektes „Das filmische Gesicht der Städte“.